VOCO Dental Aid

Bolivien - Zahnmedizinischer Einsatz Anfang 2025

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Dr. Annette Schoof-Hosemann

 

Nachdem ich 2024 zum ersten Mal nach vielen Abwägungen bewusst mit meinem jährlichen Einsatz ausgesetzt hatte, entschied ich mich dieses Jahr „endlich“ wieder nach Bolivien zu fliegen.

 

Ich schloss mich meinem ersten, von mir zusammengestellten Team 1 /2025 an, welches sich aus Amelie und Olivia von der Uni Jena und Sara und Eva von der Uni Dresden zusammensetzte. Alle vier hatten gerade ihr Staatsexamen nach monatelangen Prüfungen mit Erfolg bestanden. Sie schienen nicht unglücklich zu sein, dass ich als „berufserfahrene Alte“ zur Unterstützung mitreiste. Und ich freute mich unendlich, mein Bolivien dann zum 13. Mal wieder besuchen und alte Weggefährten und Mitorganisatoren jenseits des großen Teiches wieder antreffen zu können.

 

Am 2. Februar ging die große Reise los. 25 Stunden später konnte ich mich endlich in Santa Cruz von den Winterkleidern befreien und mich in luftige Sommer-Garderobe hüllen. Von dem Organisationsteam Hostelling International waren wir als Zahnärzteteam hervorragend für die Bevölkerung in der Plataforma Solidaria/Santa Cruz angekündigt worden. Die Platafoma solidaria ist ein Zentrum für Kinder in den Elendsvierteln der Millionenmetropole Santa Cruz, dem ein kleiner Behandlungsraum mit einer uralten Einheit angeschlossen ist. Die Kinder dieses armen Elendsviertels bekommen hier u.a. ein günstiges Mittagessen, Hausaufgabenbetreuung und andere soziale Hilfeleistungen sowie Sportangebote.

 

In Bolivien streikt man gerne. Zurzeit ächzt das Land unter großer Inflation, ohne Devisenreserven. Alle sozialen Programme leiden enorm. Kurz, es herrscht Chaos und die Bolivianer lieben als Streikmittel Straßenblockaden einzurichten. So wurden auch wir oft schmerzlich auf dem Weg von unseren Unterkünften in das Barrio los Lotes mit der Plataforma Solidaria durch „bloqueos“ (Straßenblockaden) ausgebremst.

 

Infos zur Zahnpflege

Mein junges Team arbeitete fleißig. Nur selten musste ich bei einer schwierigen Extraktion hilfreich eingreifen. Besonders viel Mühe gaben sie sich mit der Aufklärung in der Zahnhygiene. Sie konnten es gar nicht fassen, wie ungepflegt und mit dicken Belägen belegt die Zähne teilweise waren und hofften, durch ihren Einsatz eine Motivation zum regelmäßigen Zähneputzen bei den Kindern zu erwecken.

 

Weiterreise nach Sucre, Altiplano und Challa

Nach 10 Tagen arbeitsintensivem Aufenthalt im heißen Santa Cruz, mit fast immer über 30°, ging unsere Reise weiter nach Sucre. Die jungen Zahnärztinnen waren stolz, dass sie schon in Santa Cruz fast 100 Patienten versorgt hatten. In Sucre auf 2.700m konnten wir uns etwas von der großen Hitze in Santa Cruz erholen und mit den 2 Übernachtungen uns langsam an die Höhe akklimatisieren.

 

Früh am 14. Februar ging die Reise weiter ins hohe Altiplano. Wir blieben nur eine Nacht, kauften Materialien wie Handschuhe und Masken für die Praxis ein und mit Bus und Fähre kamen wir am nächsten Nachmittag in Challa (3.800m) auf „meiner“ Insel an. Zwar ist es auch hier kalt, aber mich beeindruckt immer wieder die einzigartige Natur, der tiefblaue See, die große Stille und der atemberaubende Blick auf die umliegenden schneebedeckten Gipfel der über 6.000m hohen Cordillera Real.

 

Schon am ersten Tag starteten wir in der benachbarten Schule (180 Schüler) unsere jährliche Aufklärungskampagne über die Zahngesundheit. Wir zogen von Klasse zu Klasse und erklärten, wie Karies entsteht, wie man mit weniger zuckerhaltiger Nahrung und ordentlicher Mundhygiene seine Zähne gesund erhalten könnte. Mit der Unterstufe wurde eifrig am einzigen Wasserhahn vor der Schule geputzt und geschruppt. Die Begeisterung war groß!

 

Hoher Zuckerkonsum

Süßigkeiten gelten hier nach wie vor als Ausdruck von Fürsorge und Belohnung. Und leider sind auch alle Getränke stark gesüßt. Wir haben noch viel zu tun, aber können auch schon kleine einzelne Erfolge realisieren. Aber eine zufriedenstellende Behandlung ist das leider nicht. Doch insgesamt konnten die jungen Zahnärztinnen etwa 15 Patienten pro Tag versorgen, etliche Composite-Füllungen legen (danke an VOCO für die immer großzügigen Spenden) oder viele Zähne extrahieren.

 

Fazit meines Einsatzes

 

Es war wie immer abenteuerlich, es war sehr heiß und schwül in Santa Cruz, dagegen war es in Challa sehr nass, kalt und spartanisch. Aber all das hatte ich mit meiner langjährigen Erfahrung nicht anders erwartet. Letztendlich war es abermals großartig und spannend.

 

Der armen Bevölkerung mit ihren zerstörten Zähnen, die ihnen so viel Leid und starke Schmerzen bereiten und die sich finanziell keinen Zahnarztbesuch leisten können, diesen Menschen helfen zu können, erfüllt meine Zahnarztseele sehr!

 

Mit großer Demut weiß ich mein luxuriöses Leben hier zu schätzen.

 

Die grenzenlose Dankbarkeit der Patienten, ihre große Geduld bei langen Wartezeiten, ihre Freundlichkeit und Anerkennung unserer Hilfe, das alles ist ein schönes Geschenk und aller Mühen wert!

 

Es war schön, all meine vielen Mitorganisatoren in Bolivien wieder angetroffen zu haben, die meine Projekte vor Ort so zuverlässig betreuen. Alles war bestens organisiert.

 

Ich hoffe, ich werde nächstes Jahr wieder den Koffer für „mein“ Bolivien packen können.

 

In Dankbarkeit

Annette